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Monthly Reflection by
Fr. Augustine Vallooran VC
"I dwell with the crushed and the dejected“ (Is 57:15)

- Fr. Augustine Vallooran VC

Prayer of the Month

Monthly Reflections

„Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben" (Joh. 19:37) - Von P. Augustine Vallooran VC

Im Monat Juni feiert die Kirche zwei Momente im Geschehen der Heilsgeschichte- das Fest des Leibes und Blutes Christi (Fronleichnam), und das Fest des Heiligsten Herzens Jesu. Diese beiden Feste sind eng miteinander verbunden, weil sie uns die Natur und die Bedeutung des Pascha- Mysteriums offenbaren.

„ Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“ (Ps.121,1)

Eine Legende erzählt von einem sehr hohen Berg in Afrika. Die Menschen glaubten, dass eines Tages ein großer Führer von diesem Berg herabsteigen würde und sie von der Geißel der Krankheit, der Armut und des Elends, das ihr Leben kennzeichnete, erlösen würde. Alle Eltern gaben diese Legende an ihre Kinder weiter. So wurde diese Hoffnung von Generation zu Genration weitergegeben.

Da war ein kleiner Junge in diesem Dorf namens Nathaniel. Sein Vater war krank und bettlägerig. Es wurde keine Medizin gefunden, die ihn heilen konnte. Und die Möglichkeit, dass er jemals wieder gesund werden würde, zerrann. Der minimale Verdienst der täglichen Arbeit der Mutter war die einzige Überlebensmöglichkeit für die Familie. Da gab es Tage des Dahinsiechens, an denen die Mutter keine Arbeit gefunden hatte. Und der kleine Junge würde still und traurig in einer Ecke  des Hauses sitzen und Tränen der Verzweiflung und des Schmerzes weinen. Wenn die Mutter seine Tränen sah, zog sie ihn zum Fenster und zeigte auf den hohen Berg, um ihn an die Hoffnung auf den großen Führer zu erinnern, der von den Höhen herabsteigen würde, um einen neuen Morgen des Lebens und des Lichtes ins Tal der Tränen zu bringen, in dem sie sich nun befanden. Dann würde der Junge aus dem Haus rennen und zu dem Berg aufschauen und auf ein Zeichen von dem Held warten. Aber alles, was er sehen konnte, waren Wolkenformationen, die so dick waren, dass jeder Funken von Hoffnung entschwand. Wiederum fiel er in seine Enttäuschung zurück und fand seinen Weg in die dunkle Ecke. Aber seine Mutter gebot ihm, nicht auf die Nichtigkeit ihrer gegenwärtigen Armut zu schauen, sondern auf die Höhe des Berges. Die Jahre vergingen. Aber die Hoffnung erlosch nicht.

An einem bestimmten Tag, als Nathaniel, der nun ein junger Mann war, zu dem Gipfel aufschaute, fühlte er plötzlich ein starkes Verlangen, auf den Berg zu steigen. Er folgte seinem Herzen und blieb dort eine Weile. Als er vom Gipfel herunterkam, spürte er, dass ihn ein Glanz umgab und eine neue Kraft in seine Muskeln floss, und eine Entschlossenheit seine Schritte erfüllte. Als er ins Dorf kam, kamen die Menschen heraus und erkannten sofort die unübersehbare Veränderung in diesem jungen Mann, so dass sie alle ausriefen: „ Der Führer ist gekommen! Der verheißene Führer ist zu uns herabgekommen!“ Sie machten mit ihm eine Prozession durch das ganze Dorf und nahmen ihn als Stammesoberhaupt an. Er tat viel Gutes und wies die Menschen zu einem Leben der Kraft und des Erfolgs an.

„ Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen“ (Gen. 32,30)

Was wir uns anschauen, das kann unser Leben verwandeln. „Das Auge gibt dem Körper Licht. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Körper hell sein“ (Mt. 6,22). Je höher unser Blick gerichtet ist, umso edler wird die Qualität unseres Lebens sein. Der Psalmist weist uns an, unsere Augen zu dem Allmächtigen zu erheben: „Blickt auf zu ihm, so wird euer Gesicht leuchten“ (Ps. 34,5).

Mose schaute das Angesicht Gottes für 40 Tage und 40 Nächte, so dass sein eigenes Angesicht die Herrlichkeit Gottes so machtvoll widerspiegelte, dass das Volk ihn nicht ansehen konnte. Die Zeit der Klage über die Ablehnung seines eigenen Volkes in Ägypten und die quälende Furcht vor dem Pharao waren vergangen. Die Zweifel, die ihn am Felsen von Meriba zu ersticken drohten (Ex. 17), eröffneten hier einen Weg zu einer Gewissheit des Glaubens in den Plan Gottes. Ein Führer trat in Erscheinung, nachdem er die Erfahrung gemacht hatte, dass Gott zu ihm wie ein Freund zu einem Freund spricht (Ex. 33,11).Er schaute die Heiligkeit Gottes, und auch als alle sich abwandten, blieb er doch fest auf Gott hin ausgerichtet. Er schaute auf die unveränderliche Liebe und die Barmherzigkeit Gottes und verharrte geduldig in der Fürbitte für jede ihrer Forderungen. In der Intimität der Gegenwart Gottes, war Mose verwandelt worden- von einem arroganten und impulsiven Mörder zu dem Demütigsten unter den Menschen, die es auf dem Angesicht der Erde gab (Num. 12,3).

Der Apostel Johannes weist uns auf den Gekreuzigten Herrn hin. Der Hl. Johannes führt uns zu einem Schlüsselmoment in unserer Heilsgeschichte. Er beschreibt, wie der Soldat seine Lanze in die Seite Jesu stößt, und das Herz des Gekreuzigten Herrn öffnete, als Jesus am Kreuz hängt. Blut und Wasser flossen heraus. Johannes schaute das geöffnete Herz Jesu und stellte fest, dass er ein Zeuge dieses rettenden Geschehens wurde. Er fand hier die Erfüllung der Verheißung aus dem Propheten Sacharja (Sach. 12,10): „Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben“ (Joh. 19,37). Der Evangelist gibt die Deutung, dass das Herz Jesu geöffnet wurde, damit wir auf ihn schauen und zu dem größeren Plan unseres Lebens verwandelt werden. Um zu dieser Verwandlung unseres Lebens zu gelangen, weist die Kirche unseren Blick auf das Heiligste Herz Jesu durch die Anbetung und Feier der Eucharistie – auf den Leib und das Blut Christi- hin.

„Gott hat seine Liebe zu uns erwiesen“ ( Röm. 5,8)

Der Hl. Johannes, der an der Brust Jesu lehnte und mit seinen Augen sah, wie sich das Herz Gottes öffnete, definierte abschließend: „Gott ist Liebe“ ( 1 Joh. 4,8). Diese Liebe war so vollkommen, dass sie sich in nichts Geringerem als einer vollkommenen Selbsthingabe am Kreuz auf Kalvaria ausdrücken konnte und sich in der täglichen Eucharistiefeier fortsetzt. Jesus gab sich selbst hin, um zerbrochen zu werden, damit er die Nahrung für das Ewige Leben werden konnte.

Was am Kreuz geschah, war nicht so sehr ein brutaler Missbrauch, der Jesus zugefügt wurde, sondern ein Akt der Liebe, durch den der Sohn Gottes uns rettete. Jesus sagte: Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin“ ( Joh. 10,18). Wir sollten uns nicht vorstellen, dass Jesus nur ein hilfloses Opfer war. Er war der Hohepriester, der das Opfer darbrachte, so dass wir durch jeden Moment seiner Gebrochenheit gerettet und wiederhergestellt werden.

Das Kreuz ist nicht als ein Zeichen der Ungerechtigkeit aufgerichtet, sondern als ein sicherer Beweis der Liebe Gottes, der in alle schmerzhaften menschlichen Umstände herabgestiegen ist. Das Ziel dieser Liebe war es, uns zur Herrlichkeit der Erlösung aufzurichten, anstatt uns der Verdammnis, die wir selbst gewählt haben, preiszugeben. Dieses kommt daher, dass Jesus das Kreuzesopfer nicht als den Höhepunkt von allem, was falsch gewesen ist, angenommen hat, sondern als die Vollendung von Gottes großartigem Plan, seine Menschen aus dem Elend der Sünde und des Todes zu erlösen.

Diese radikale Verwandlung im Begreifen des Kreuzes geschah in Gethsemani. Hier nahm Jesus das Kreuz auf sich als eine gelebte Antwort seiner Liebe zum Vater: „ Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst“ ( Mt. 26,39). Es war der Wille des Vaters seine Hände in seiner großen Liebe nach seinem Volk auszustrecken, damit „ sie nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben“ ( Joh. 3,16). Dieser Wille des Vaters wurde die Sendung Jesu. Tatsächlich bestimmte seine Sendung sein Eintreten in die irdische Existenz wie es uns der Hebräerbrief wiedergibt: „ Darum spricht Christus bei seinem Eintritt in die Welt: Ja, ich komme, um deinen Willen, Gott, zu tun“ ( Hebr. 10, 5-7). Seit diesem Moment nahm er jedes Leiden, das auf seinen Weg kam, aus den Händen des himmlischen Vaters entgegen und opferte es für die Rettung der Menschheit auf. Am Kreuz erreichte diese Selbsthingabe ihren Höhepunkt. Sein Herz war so weit geöffnet, dass auch die letzten Tropfen von Blut und Wasser, die darin waren, in diesem über alles heiligen Opfer hingegeben waren.

„ Du bist wertvoll in meinen Augen“ ( Jes. 43,4)

In Kafarnaum hatte der Herr ein großes Angebot gemacht: „ Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben“ ( Joh. 6,51). Diese große Verheißung erfüllte sich beim letzten Abendmahl, als er das Brot in seine Hände nahm, es brach und sprach: „ Dies ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“ , danach nahm er den Kelch mit Wein, wandte sich seinen Jüngern zu und sagte: „ Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird“ . Nachdem er einmal dieses Opfer dargebracht hatte, wies Jesus sie an: „ Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk. 22,14-20).

Dieser Anweisung folgen wir jedes Mal, wenn wir uns um den Altar versammeln. Wir erinnern uns und erleben wiederum die rettende Liebe des Sohnes Gottes, der sich selbst hingab, um für uns gebrochen zu werden. So wie der Hl. Paulus sagt: „ Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat“ (Gal. 2,20). In der Tat begreifen wir, wie wertvoll wir für Gott sind, wenn wir uns am Altar versammeln. Damit diese Wahrheit in unseren Herzen verwurzelt werden kann,  müssen wir unseren Blick auf das geöffnete Herz Jesu richten.

Der Hl. Paulus sagt, dass diese Erfahrung von größter Wichtigkeit in unserem christlichen Leben ist. Sein aufrichtiges Gebet für uns alle ist, dass „Christus durch den Glauben in unseren Herzen wohne. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt“ (Eph. 3,17-19). Wenn unsere Herzen so erfüllt sind, dann werden wir erfahren, wie jeder Schatten von uns weicht.

„ Lasst uns dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender unseres Glaubens“ (Hebr. 12,2)

Eine junge Frau erzählte mir eine erschütternde, aber auch lebensverändernde Episode aus ihrem Leben. Sie bemerkte, wie zerbrochen sie war, als sie entdeckte, dass ihr Ehemann sie betrog. Auch vor ihrer Hochzeit war er mit einem anderen Mädchen sehr intim gewesen. Er führte diese  Beziehung im Geheimen auch nach ihrer Eheschließung weiter. Als sie eines Tages im Internet surfte, sah sie vor ihren Augen alle Details und Fotos ihrer laufenden Beziehung. Sie konnte ihre Betroffenheit und auch Frustration darüber nicht zurückhalten. Sie weinte alles aus ihrem Herzen heraus. Einige Stunden später schaute sie mit geschwollenen Augen auf das Kruzifix an der Wand. Sie hatte es oftmals angeschaut und vor diesem Kreuz gebetet, aber dieses Mal erschien ihr das Kruzifix deutlich sehr verschieden. Die Wunden Jesu waren schimmernd und wund. In einer klaren Vision sah sie das Herz Jesu geöffnet und Blut und Wasser flossen heraus. Sie fühlte, wie die Ströme sie durchdrangen. In dieser Erfahrung der Liebe Gottes spürte sie, wie ihr großer Ärger verschwand, und ihre Verletzung heilte. Als ihr Ehemann am nächsten Tag nach Hause kam, wagte sie sich, ihn zu stellen und sprach mit ihm darüber, dass sie über sein sündhaftes Leben Bescheid wusste. Sie teilte ihm auch mit, dass sie ihn wieder neu in Liebe annehmen wollte. So überführte der Heilige Geist ihn der Ungerechtigkeit, die er beging. Diese Erfahrung ihrer Vision verblieb in ihrem Herzen als eine Versicherung des Eingreifens der Liebe Gottes, um sie in einer Stunde der untröstlichen Verzweiflung zu trösten.

Wenn wir über unsere Verletzungen und Wunden brüten, werden wir uns nur noch mehr in den starken Strömungen der Depression und der Einsamkeit verlieren. Aber wir haben die Möglichkeit, unsere Augen zum Herzen Jesu zu erheben, das aus Liebe zu uns geöffnet ist. Wenn wir ein wenig in der Erfahrung der Heilung und der Erlösung verbleiben, dann wird diese sich in uns festigen. Wenn wir in dieser unveränderlichen und alles umfassenden Liebe Christi verwurzelt sind, werden uns die Stürme, die unser Leben auf dieser Erde kreuzen, nicht erschüttern.

„ Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“ (Mt. 9,13)

Die Barmherzigkeit Gottes rettet uns. Die Person, die Gottes rettende Barmherzigkeit zutiefst erfährt, spiegelt die Güte Gottes, die alles Böse überwindet, wider. Sie wird ein machtvoller Kanal für die Heilungsströme Gottes, die alle  erreicht, die ihrer bedürfen. Der Hl. Paulus beschreibt seine eigene Mission als Früchte seiner Erfahrung: „ Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater des Erbarmens und Gott allen Trostes. Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden“ ( 2 Kor. 1,3;4). In der Gebrochenheit unserer Herzen können wir uns mit dem Heiligsten Herzen Jesu identifizieren, dass in seiner Öffnung unendliche Ströme der Gnade ausstrahlt. Und diese Verbindung zum Herzen Jesu ist für uns in alle Ewigkeit lebendig.

Jesus macht sehr deutlich, dass es eine Qualifikation braucht, um in das Reich Gottes einzutreten: „Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen“ ( Mt. 5,20). Die Gerechtigkeit der Pharisäer und Schriftgelehrten ging mit einem strikten Sinn für Gerechtigkeit und Vergeltung einher. Jesus zeigt den Kontrast zwischen dem selbstgerechten Pharisäer und dem reuigen Zöllner: „ Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht“ ( Lk. 18,14). Die menschliche Berechnung der Gerechtigkeit, die darauf abzielt, das Gute zurückzuzahlen  und das Böse zu bestrafen, steht im Reich Gottes nicht gut da.

Die Färbung der Barmherzigkeit Gottes scheint wiederum in der Begebenheit mit der beim Ehebruch ertappten Frau auf (Joh. 8). Hier war es die eine Absicht Jesu, sie vor der Verurteilung und der Sünde zu retten. Dieses stand in direktem Kontrast zum Gedankengut und den Ideen der Gerechtigkeit, die das Denken der frommen Juden bestimmten. Laut ihrem Verständnis  war es eine dringende Notwendigkeit, dass sie beseitigt wurde, da sie ein Schandfleck in der moralischen Gesundheit der Gesellschaft darstellte. Sie beharrten auf einer gerechten Bestrafung für ihre Sünde. Es wird uns berichtet, dass Jesus begann, auf die Erde zu schreiben. Der Evangelist erwähnt nicht spezifisch, was Jesus genau schrieb. Ich persönlich glaube, dass Jesus als eine Antwort auf die vielen Stimmen aus der Menge, die auf Gerechtigkeit beharrten, das Zeichen des Kreuzes schrieb. Die Pharisäer und Schriftgelehrten waren in ihrer Suche nach Bestrafung der schuldigen Frau gerechtfertigt. Aber als das Kreuz Jesu, das ultimative Symbol der Barmherzigkeit Gottes die Sünde der Frau trifft, war ihre Bestrafung abgeschrieben. Wie der Hl. Paulus es erklärt: „ Christus hat uns vom Fluch des Gesetzes freigekauft, indem er für uns zum Fluch geworden ist; denn es steht in der Schrift: Verflucht ist jeder, der am Pfahl hängt“ ( Gal. 3,13).

Das Erbarmen Gottes offenbart sich am Kreuz. Damit wir die Tiefe dieses Erbarmens erfahren können, müssen wir dabei verbleiben, in das geöffnete Herz Jesu zu schauen, und durch das Essen und Trinken seines Leibes und Blutes an ihm Anteil nehmen. Dann werden wir fähig sein, die Zwanghaftigkeit der menschlichen Gerechtigkeit zu überwinden.

„ Denn aus Gnade seid ihr gerettet; nicht aufgrund eurer Werke“ (Eph. 2,8;9)

Es gab Zeiten, in denen wir uns darüber beklagten, dass Gott nicht gerecht sei. Es ist gut für uns, dieses zu wissen, denn es ist wahr. Wir können nicht sagen, dass Gott gerecht ist, weil Gerechtigkeit in Wirklichkeit meint, einem Jeden das ihm Gebührende zu geben.

Wenn wir unser Leben ehrlich einschätzen, dann wissen wir, was uns zusteht ist der Zorn Gottes. Aber dankbarer Weise ist Gott mehr als Gerechtigkeit. Er ist Erbarmen. Weil die Pharisäer und Schriftgelehrten dieses Erbarmen, dass sich in Jesus offenbarte, nicht verstehen konnten, kreuzigten sie ihn. Für sie galt das Gesetz des Mose, das heißt Auge um Auge und Zahn um Zahn. Wenn jemand also mein rechtes Auge verletzen würde, so habe auch ich nur das Recht, sein rechtes Auge zu verletzen. Sie konnten nicht über die Strukturen, die dieses Rechtssystem bot, hinausschauen. Aber Jesus würde nur rechtfertigen, dass „ Barmherzigkeit über die Gerechtigkeit triumphiert“ (Jak. 2,13), als er sie unterwies, dass „ der Sabbat für den Menschen da ist, nicht der Mensch für den Sabbat“ (Mk. 2,27). Danach ging Jesus in die Synagoge und heilte einen Mann mit der verdorrten Hand am Sabbat. Die Pharisäer waren empört. Sie verdammten den Sohn Gottes, weil er das Gesetz am Sabbat gebrochen hatte. In ihrer Entschlossenheit, den Rechtsbrecher zu beseitigen, verbündeten sie sich mit den Herodianern, um seinen Tod zu planen. Es gab in der Tat ein Gesetz bei den Juden, das besagte, dass eine kranke Person am Sabbat nur geheilt werden durfte, wenn die Krankheit lebensbedrohlich war. Das logische Argument in den Gedanken der Juden war, dass es keine Notwendigkeit war, diesen Mann zu heilen. Jesus hätte noch bis zum nächsten Tag warten können, und so das Gesetz gehalten. Aber für Jesus rief das Elend dieses Mannes eine notwendige und sofortige Handlung hervor. Diese wunderbare Heilung ist vielmehr eine Offenbarung des Herzens Gottes. Die Not des Menschen ist die Notwendigkeit der Betroffenheit Gottes.

Nur eine Person, die in der Gegenwart Gottes verbleibt und unaufhörlich auf sein Angesicht schaut und in seinem Herzschlag lebt, wird in der Lage sein, aus den Fesseln der Gerechtigkeit von den Pharisäern und Schriftgelehrten herauszutreten.

Ich erinnere mich an einen Geschäftsführer einer Vereinigung, der sehr aufgeregt über die ungerechte Wendung einer Aktion im Management seiner Firma war. Die Firma war aus seiner Initiative und aufgrund seines Fachwissens entstanden. Er teilte seine Idee einigen wenigen Leuten mit und überzeugte sie davon, in Anteile zu investieren. Die Firma begann zu florieren und riesige Summen von Geld flossen als Profit. An dieser Stelle stieg eine jüngere Person in die Firma im Bereich der Direktion mit ein. Ganz langsam machte er es der Geschäftsführung unmöglich, zu handeln. Er manövrierte auf seine Art und Weise mit den anderen Mitgliedern in der Direktion und auf sehr respektlose Art und Weise setzte er die Geschäftsführung außer Kraft. Er selber wurde auf diesen Posten erhoben. Das alles brachte solch eine Verwirrung, dass der abgesetzte Mann zu den Exerzitien kam. Nachdem ich ihm zugehört hatte, teilte ich ihm meine Überzeugung mit, dass Gott den Schmerz und den Ärger in seinem Herzen versteht, aber auch, dass Gott alles zu seinem Guten wenden wird. Ich erklärte ihm mit Umsicht, dass wir zuerst die unglückliche Situation vollkommen in die Hände Gottes überantworten müssen, damit Gott in der Lage ist, einzugreifen.

Es war natürlich, dass er nicht fähig war, zu begreifen, warum alles gegen ihn stand. Er bekannte, dass er es schwierig fand, diesen unglücklichen Verlauf der Dinge anzunehmen, es aber versuchen wollte. Ich führte ihn mit dem Gebet von Mutter Maria dahin, alles in die Hände Gottes zu übergeben: „ Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort“. Während der Exerzitien, nachdem er aufmerksam den Vorträgen zuhörte, verbrachte er viel Zeit im persönlichen Gebet. Er war noch immer über die herzlose und ungerechte Weise betrübt, wie ihm die Tür gewiesen wurde. Er konnte noch immer nicht ganz begreifen, warum Dinge in dem Unternehmen, das durch seine eigene Initiative entstanden war, sich gegen ihn wandten. Aber er betete weiterhin zur Mutter Maria.

Während des Gebets um Innere Heilung, sang er ein Lied, welches das Gebet Jesu am Kreuz aufgreift: „ Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ ( Lk. 23,34). Und während er noch betete, rang er mit der Frage: „ Warum ich, Herr?“ Plötzlich hörte er in seinem Herzen ganz deutlich ein Wort: „ Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen“ ( Mt. 5,20). Er schaute auf die Eucharistie und konnte in einer Vision deutlich wahrnehmen, wie aus dem geöffneten Herzen Jesu Blut und Wasser herunterströmt.

Als er dies erfuhr, versprach er dem Herrn, seinem Gegner zu verzeihen und mit ihm auf alle mögliche Weise zusammenzuarbeiten. Ein außergewöhnlicher Strom der Liebe durchflutete sein Herz. Was später geschah, war für alle ein Wunder.

Er kehrte zurück, um an den Treffen der Direktion teil zu nehmen. Und er begann in sehr großzügiger Weise mit dem neuen Geschäftsführer umzugehen. Zu Anfang wurde er mit Misstrauen beäugt. Aber als er anfing, den jüngeren Mann einzuweihen, ihn zu ermutigen und ihn auch in den vielen Entscheidungen zu warnen, damit er fähig würde, großen Erfolg zu haben und ihm auch noch erlaubte, alle Anerkennung zu genießen, hielt er es in seiner Unsicherheit nicht mehr aus. In einem Moment erkundigte sich der junge Geschäftsführer direkt bei ihm, was der Grund für seine großzügige Mitarbeit sei. Er antwortete ihm mit dem Zeugnis seiner Gotteserfahrung. Der Geschäftsführer war zu Tränen gerührt. Beim nächsten Treffen der Direktion teilte der Geschäftsführer allen seine Begeisterung darüber mit, in welcher Weise Gott durch die Barmherzigkeit  dessen, den er hinausgeworfen hatte, in seinem Leben gewirkt hatte. Er fuhr fort, zu erklären, wie Gott zuerst in das Leben des älteren Mannes eingegriffen hatte, und wie dieser aus Überzeugung mit großzügiger Unterstützung antwortete. Indem er seine eigene Schuld bekannte, bat er darum, den älteren Mann wieder als Geschäftsführer einzusetzen, da er zu der Einsicht gekommen war, dass ihm dieses zustand. Alle Versammelten waren über den Verlauf der Situation erstaunt. Niemand konnte sich der Freude dieses Momentes der Gnade entziehen. Und sie erhoben den älteren Mann zum Geschäftsführer. „Das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder“ ( Ps. 118,23).

An der menschlichen Gerechtigkeit festzuhalten ist eine Blockade, weil sie uns dem Wirken des Herrn entzieht. Wenn wir nur daran interessiert sind, dem Anderen eins auszuwischen, sind wir in der Vergeltung gefangen - dann geben wir das Böse weiter, dem wir zum Opfer gefallen sind. Und wir erlauben einen Zug des Bösen. Aber wenn wir uns nur dem Heiligsten Herzen Jesu zuwenden können, um von der Hingabe Jesu berührt zu werden, sollen wir einen neuen Pfad der Gnade beginnen, der diese Welt segnen wird und die nachfolgenden Generationen.

Gebet

Herr Jesus, ich erhebe meine Augen zu deinem Herzen, dass weit geöffnet ist, um deine tröstende Liebe in unsere gebrochenen Herzen auszugießen.

O Gott, du bist die Quelle der Liebe und des Erbarmens; du offenbarst uns, dass die Liebe und Güte größer ist, als jegliches Böse, das geschehen kann. Herr, wir bringen dir die vielen Wunden in unseren Herzen. Wir haben nach Antworten und Gerechtigkeit gesucht. Aber wir wissen, dass keines von diesen, nach denen wir Ausschau gehalten haben, die Dinge ins rechte Licht rücken kann. Deshalb beten wir- während wir in dein Angesicht blicken, dass du dein Licht der Liebe über uns aufscheinen lässt und uns führst, dein Gebot der Liebe zu leben, um Kanäle der Heilung für diese Welt zu werden. Du hast dein Leben für uns auf Kalvaria hingegeben und tust dieses jeden Tag auf dem Altar, damit wir wissen, wie kostbar wir für dich sind und du uns niemals verlassen wirst. Herr, wir preisen dich für deine überragende Liebe, die Licht in das Tal unserer Tränen bringt, so dass unsere Klagen in ein Fest deiner unveränderlichen Liebe verwandelt werden. Herr, mögen wir immer für deine Liebe leben und deine Herrlichkeit all den Gebrochenen um uns verkünden.

Amen

 
Divine Updates

39th National Youth Retreat

Our annual National Youth Retreat will be held at the Divine Retreat Centre. Come and let the word of God refresh you. Simultaneous retreats for couples, children and Bible nursery to be held. Contact Divine Youth for more details.

Date: May 19 - 24, 2019

Retreats at the Divine Retreat Centre, Somersby, Sydney

Divine Retreat Centre, Somersby to hold retreats throughout 2017. For bookings, email Fr Roni George, Director - drcsydney@gmail.com. Hurry, as admission is limited.

Date: January 2018 - December, 2018

Retreats in Divine Retreat Centre, UK

Divine Retreat Centre, Ramsgate UK, has announced several English and Malayalam language retreats to be led by Fr. George Panackal VC and Fr. Joseph Edattu VC. All are welcome.

Dates: Jan - Dec, 2019

POWER 2019 at Divine Retreat Centre

DRC is back with the highlight of the year: the 14th International Youth Conference - POWER 2019. The very best international preachers and gospel bands will be here to lead us into worship. Be there to experience a totally different atmosphere of prayer. A Couples' Retreat and a Kids' Retreat will be held simultaneously. Don't miss it.

Date: July 21 - July 26, 2019

Divine Retreat Schedules

ENGLISH RETREATS

English retreats are held every week from Sunday to Friday. Special retreats are conducted for priests, religious and laity as well. Come and experience the Lord and grow in Him.

MALAYALAM RETREATS

Inner healing retreats, growth retreats, couples' retreats and youth retreats in Malayalam, are led by Fr. Joshi Kochukudiattil, Fr. Mathew Naickomparambil and Fr. Binoy Chackanikunnel.

OTHER LANGUAGES

Retreats in Konkani, Kannada, Tamil, Hindi and Telugu

Every week, retreats are held in five different regional languages of India, apart from in the local language - Malayalam. The retreats are led by Vincentian priests and supported by powerfully anointed laity of God.

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